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Nathalie Matura Herbst 2014

Vor meinem Praktikum in Ghana, der bisher aufregendsten Reise meines Lebens, gab es zunächst die eine oder andere Diskussion mit meiner Familie. Wieso ich denn grade in einem afrikanischen Krankenhaus arbeiten wolle, war eine vielgestellte Frage. Seit dem ersten Informationsabend von Onipa Nti, war ich jedoch von dem Land und der Aussicht, in einem kleineren Krankenhaus zu arbeiten und in einer ghanaischen Gastfamilie zu wohnen, beeindruckt.
Nach meinem Praktikum reiste ich noch drei Wochen mit Nicola und Lisa durch das Land. Dabei stellten die Trotro-Fahrten für mich das größte Abendteuer dar. Als Trotros bezeichnet man Kleintransporter, die in Europa nicht mehr zugelassen sind und vor Ort Sitzbänke eingebaut bekommen, sodass man möglichst viele Personen von A nach B transportieren kann. Dass bei den Trotro-Fahrern Zeit Geld ist, erkennt man eindeutig an deren Fahrstil.
Beim Reisen wurde mir noch einmal vor Augen geführt, was für ein freundliches und zuvorkommendes Volk die Ghanaer sind. Wenn wir im Bus einen Einheimischen nach einen bestimmten Ort fragten zu dem wir hin wollten und er es nicht wusste, wurde entweder im Bus zu lange rumgefragt oder an der Endstation wurde jemand aufgesucht, der es wusste. Wir wurden nirgendwo alleine gelassen. Man sollte nur nicht unbedingt einen Taxifahrer nach dem Weg fragen, da er einen sofort im Auto für den doppelten Preis (als Weißer zahlt man eigentlich immer deutlich mehr) dort hinbringen würde.
Was mich beim Reisen, vor allem entlang der Küste, sehr berührte war die Armut, die man häufig direkt neben den tollsten Stränden und Hotels zu Gesicht bekam. Für die Touristen waren die herrlichen mit Palmen bewachsenen Strände und das Meer das Paradies. Bewegte man sich jedoch 20m vom Sandstrand auf die nächste Straße, war die Idylle komplett verschwunden. Es waren für mich oftmals zwei parallele Welten am gleichen Ort. Teilweise wurden Hotels, umrandet von blickdichten Mauern, in arme Dörfer gebaut, sodass die Gäste von der realen Welt dort so wenig wie möglich mitbekommen. Stellte man sich auf eine Bank und schaute über die Mauer sah man kleine Häuser mit Wellblechdächern in denen die Familien hausten. Diese zwei parallelen Welten fand ich erschreckend.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich sehr froh bin diese Reise, trotz der anfänglichen Diskussionen mit meiner Familie, gemacht zu haben. Ich habe einen Einblick in eine komplett andere Welt erhalten dürfen und war für 7 Wochen Teil von ihr. Das hat mich persönlich sehr bereichert und ich habe seit meiner Rückkehr eine andere Sichtweise auf die für uns als selbstverständlich geltenden Dinge. Mir ist erstmals bewusst geworden, dass ich sehr froh und dankbar bin in einem Land wie Deutschland leben zu dürfen.

Nathalie Matura

 

Siehe Praktikumsbericht von Lübberts

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